Kochen mit Pavarotti

Ein Interview mit Sante de Sanctis, dem römischen Chefkoch, der in Stuttgart arbeitet und lebt, indem er die Tugenden der italienischen Küche genauso rühmt wie er Bücher schreibt und im Fernsehen erscheint. Seine Geschichten, genauso wie seine Gerichte zeigen seine große Liebe zu Rom und ganz besonders zu einem der charakteristischsten Stadtteilen der Stadt, Testaccio.

In „Emotionen in Italien“ gibt er exclusiv den spannendsten Moment seines Lebens preis: der Tag, an dem der Maestro Pavarotti in seine Küche kam und mit ihm angefangen hat zu singen.Sante de Sanctis

 Die italienische Küche, der beste Botschafter

Obwohl die Italiener im Ausland nicht unbedingt den besten Ruf genießen, gibt es etwas, mit dem wir uns nie blamieren werden  und das auch das internationale Profil unseres Landes verbessert: Die Gastronomie: Dieses sind die Worte von Sante de Sanctis, ein römischer Chefkoch, der genauso Inhaber und Manager des San Pietro Gastro Restaurant in Stuttgart ist, wie auch Autor mehrerer Kochbücher  und Chef einer beliebten TV Sendung: “Das Essen bleibt unsere Spezialität und weder Überschwemmungen noch Müllberge und das unmögliche Benehmen unserer Politiker werden je das Vergnügen verhindern, sich an einen Tisch zu setzen und ein pures italienisches Mahl zu sich zu nehmen, da nur wir dazu in der Lage sind, etwas zu kreieren , das auf der Basis einer jahrtausend alten Kultur beruht. Ich glaube, dass ich so etwas behaupten darf, da ich über 70 verschiedene Länder bereist habe!“ Und tatsächlich, im Jahr 1994 hat De Sanctis, der seit 1984 in Deutschland lebt, alles stehen und liegen lassen, um für zwei Jahre auf dem Kreuzfahrtschiff Vistafyord, einer Tochter der Queen Elisabeth II,  um die Welt zu reisen. De Sanctis erklärt: Das Mittelmeer ist ein Mikrokosmos, der viele verschiedene Länder vereint, die mediterrane Küche ist eine Welt für sich, in der Italien der würdigste Vertreter ist, seitdem es vollkommen von diesem Meer umrahmt ist. Unsere Küche basiert auf fundamentalen Elementen, die seit Jahrhunderten bestehen und sich wie eine weiße Linie durch unsere zwanzig Regionen ziehen. Einiges ist importiert worden wie zum Beispiel Gewürze,  aber wir haben Olivenöl, Knoblauch und Zwiebeln, Spargel, Artischocken, Weizen, Reis und grobes Salz. Zusätzlich Walnüsse, Wildschweine, Mufflon, Lämmer und Ziegen. Obwohl Italien vom Meer umgeben ist, wurden immer Produkte aus dem Inland bevorzugt. Zu Beginn griffen sie ausschließlich im Notfall auf Meeresfrüchte zurück. Nun aber haben wir uns mit großer Begeisterung  dem Meer angenähert.Luciano Pavarotti

Italiener in Deutschland, Spaghetti alla Pavarotti

Im Jahr 1990 wurde die Fußballweltmeisterschaft (die in Italien stattfand) offiziell im Hotel Intercontinental in Stuttgart vorgestellt: De Sanctis arbeitete zu jener Zeit im italienischen Restaurant „La piazzetta“ als Chefkoch. An eine Sache erinnert er sich besonders gerne, wie er zum ersten Mal zugab:

„Der Maestro Luciano Pavarotti war in der Stadt, um seine Sammlung von Ölgemälden vorzustellen: Am Abend des Spiels Frankreich – Italien kam er zum Essen in jenes Restaurant, in dem ich zu der Zeit arbeitete. Während ich mit meinem Chefkochhut servierte, ging ich zu ihm und bat ihn um ein Autogramm. Er wollte sofort genaueres über das Spiel wissen  und befragte mich über meinen Job und ich lud ihn in meine Küche ein. Zusammen bereiteten wir „Spaghetti alla Pavarotti“ vor, mit Tomatenscheiben gekocht in Knoblauch, Basilikum, Chili und bestreut mit Parmesankäse: Er bestand darauf, geschälte in Stücke geschnittene  Dosentomaten zu verwenden, da, so wie er sagte, hier in Deutschland sind sie geschmackvoller als frische Tomaten“.

Aber die richtig geheimnisvolle Zutat war etwas anderes: „ der Maestro war überzeugt, dass man singen muss, wenn wir sie in der Pfanne wenden, und so gaben wir eine amüsante Zweimannshow in der Küche. Diesen Moment werde ich für immer in meinem Herzen behalten. Ich habe bisher noch mit niemandem bis heute  darüber gesprochen, aber es war einer der Highlights in meinem Leben.

Ich glaube, dass auch Pavarotti selber sehr viel Spaß gehabt hat, da mir sein Manager am nächsten Tag ein Poster eines seiner Ölgemälde vorbeibrachte, persönlich vom Maestro unterschrieben, und er hat sich für das schöne Geschenk, das ich ihm am Vorabend gemacht habe, bedankt.